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Der Spannungsbogen zwischen Design und Funktion bei Schweinwerfern

20 Juni 2012 Ein Kommentar Andrea Reinsch

Gutes Licht und gutes Design

Kaum jemand kauft sein Auto weil es besonders gutes Licht hat. Und selbst wenn ein Test mal schlechte Scheinwerfer bemängelt – was selten genug vorkommt -, hat das noch seltener reinen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Das Design eines Autos wiederum spielt eine große Rolle. Leider kann es zum Konflikt zwischen Design und gutem Licht kommen.

Red Dot Award

Mit dem Red Dot Award für gutes Design ausgezeichneter Scheinwerfer des Mercedes CLS, hergestellt von Automo-tive Lighting.

Zwei Dinge scheinen manchen Designern besonders zuwider zu sein, Reifen und große Scheinwerfer. Designstudien kommen dann praktisch nur auf glänzenden Felgen und mit Lichtschlitzen daher. In der Praxis – der späteren Serie – dürfen es dann doch etwas Gummi an den Rädern und ein paar Quadratzentimeter mehr Lichtaustrittsfläche sein. Doch oft sind die noch nicht einmal voll genutzt. So verstecken sich mitunter kleine Projektionsmodule, so genannte Linsenscheinwerfer, in Gehäusen, die durchaus Platz für einen guten Freiflächen-Scheinwerfer ließen. Dieser Typ wiederum steht in seiner Leistung den Linsensystemen nicht nach. Wohlgemerkt: Es gibt gute Gründe, Projektionsmodule einzusetzen. Erweiterte Funktionen wie Kurvenlicht oder adaptive Lichtverteilungen für Stadt, Landstraße und Autobahn lassen sich praktisch nur mit ihnen realisieren. Doch in Standardscheinwerfern mit entsprechend Platz muss es nicht unbedingt eine Linse sein. Vor allem nicht, wenn der eigentlich reichlich vorhandene Raum um sie herum nur mit schicken glänzenden Verblendungen zugebaut ist.

Ist das Ergebnis beim Abblendlicht in aller Regel noch akzeptabel, sind bei den Signalfunktionen inzwischen vermehrt Rückschritte zu beobachten. So sind Blinker und Positionslichter kaum mehr von der Seite zu sehen. Der Abstrahlwinkel entspricht gerade noch den Vorschriften; kein Grad mehr. Das war viele Jahrzehnte lang besser. Blinksignale waren auch ohne die heute vorgeschriebenen Seitenblinkleuchten besser zu erkennen. Das Problem der schlechten Erkennbarkeit von der Seite hat inzwischen auch die für die Vorschriften zuständige ECE (Economic Commission for Europe, eine UN-Organisation) auf den Plan gerufen. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, ein gefälliges Design gehe stets zu Lasten des Lichts. Weil eben Design einen hohen Stellenwert genießt, half es bei mancher Verbesserung. Ein schönes Beispiel ist das Tagfahrlicht. Das war jahrelang sehr unbeliebt. Dann kam die Licht-Welle beim Audi A4 und alle fanden Tagfahrlicht plötzlich chic. Ähnliche Effekte sind bei LED-Scheinwerfern zu beobachten.

Will ein Designer der Grundregel „Form follows funktion“ beim Licht Rechnung tragen, steht ihm ein ganzer Baukasten technischer Hilfsmittel zur Verfügung. Der enthält nicht nur die heute zum Standard gewordenen klaren Abschlussscheiben. Lampenhersteller rüsten ihre Produkte auf Wunsch mit strahlend glänzenden Kappen aus. Rotes oder gelbes Licht muss nicht aus farbigen Leuchten kommen. Entsprechende Lampen oder raffinierte optische Tricks sorgen für klare Signale aus weißen bis grauen Leuchten.

Es ist uneingeschränkt zu begrüßen, dass ein renommierter Designpreis auch für Komponenten des Autolichts verliehen wird. So tragen Scheinwerfer von Automotive Lighting für Audi und Mercedes inzwischen den begehrten Red Dot Award. Gutes Licht und gutes Design müssen also kein Widerspruch sein.

Über den Autor: Fritz Lorek ist Automobil-Journalist. Er schreibt für Fachmagazine, Pressedienste und im Blog autolichtblog.de, powered by Osram. Zahlreiche Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Fahrzeuglicht. Dabei ist ihm die Praxis wichtig. Seine Tests von Scheinwerferlampen fanden große Resonanz. Auch die deutsche Zulassungsbehörde Kraftfahrt-Bundesamt interessierte sich für die Ergebnisse.

 

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Ein Kommentar »

  • Michael Marheine sagte:

    Hmm, ganz neue Sichtweise erhalten, we das alles miteinander zusammenhängt. Macht sich wohl kaum ein Kunde wirklich Gedanken drüber – schade eigentlich, dass so etwas nicht auch bei der Kundenberatung mit angebracht wird. Macht doch ein gutes Gefühl bzw. schafft Vertrauen ggü. der Marke, oder!?

    Michael Marheine

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