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Kleinwagen, die den Namen nicht mehr verdienen..

8 August 2012 2 Kommentare Fabian Thomas

Der Ford Fiesta in der ersten und siebten Generation

Höre ich Kleinwagen, fallen mir alte Corsa, Fiesta oder Polo Modelle ein. Blicke ich heute auf die einzelnen Modelle des Segments, so ist man meilenweit von dieser Bezeichnung weg. Wenn ich bedenke, dass die aktuellen Generation VW Polo die fast gleichen Außenmaße aufweist wie der Golf II, fällt mir die Entwicklung der Fahrzeugklasse erneut auf. Ähnlich geht es den bereits erwähnten Modellen Ford Fiesta und Opel Corsa. In Sachen Größe nähert man sich der Kompaktklasse. Ein kleines Fahrzeug, das sich bis vor ein paar Jahren mit Stadtauto-Qualitäten zeigte, bekomme ich nicht mehr. Dafür muss ich mich mittlerweile ein Segment tiefer umschauen und sogenannte Mini-Modelle kaufen.

Entwicklung der Kleinwagen-Modelle

In einem Kurzcheck habe ich herausgefunden, dass einige Modelle erheblich gewachsen sind. Von einem Kleinwagen kann man da bei Weitem nicht mehr reden. So ist beispielsweise der VW Polo der fünften Generation nur wenige Millimeter kleiner als der VW Golf 2. Auch den Ford Fiesta in der siebten Generation trennen nur 20 cm mit dem ersten Ford Focus. Bei Opel liegen Kleinwagen und Kompaktwagen noch enger zusammen. Der aktuelle Corsa D ist nur unwesentlich kleiner als der Opel Astra F. Doch die Entwicklung ist im Vergleich der einzelnen Generationen noch auffälliger.

Der VW Polo I

Zwischen Corsa A und der aktuellen Version liegen 37 cm in der Länge, 21 cm in der Breite sowie in der Höhe 13 cm. Noch extremer sind die Unterschiede beim Ford Fiesta sowie dem VW Polo. Hier nähert man sich der Kompaktklasse und wächst in der Länge um mehr als 40 cm. So misst die erste Generation VW Polo insgesamt 3,51 Meter und die aktuelle Variante sogar 3,97 Meter. Der Ford Fiesta wächst ähnlich stark und misst statt 3,56 Metern (erste Generation) nun 3,95 Meter.

Untere Kompaktklasse statt Kleinwagen?

Schaut man sich die Entwicklung der einzelnen Modelle an, fragt man sich: „Warum diese Entwicklung?“ – Klar, irgendwann gab es das Mini-Segment und der Abstand musste erhöht werden, aber ein Plus von 46 cm beim VW Polo sind meiner Meinung nach nicht zu rechtfertigen. Man könnte das Ganze allerdings umdrehen und sagen, das Mini-Segment gibt es, weil die Kleinwagen so erheblich gewachsen sind. Teilweise sprechen wir hier über ein Wachstum von rund 40 cm.

Der VW Polo V

Natürlich steigt der Platz im Innenraum sowie im Kofferraum, doch von den klassischen Vorzügen eines Kleinwagens entfernte man sich komplett. Als perfektes Stadtauto kann man die aktuellen Kleinwagen-Modelle nicht mehr bezeichnen. Mittlerweile ist man mit den Außenmaßen so nah an der Kompaktklasse, dass das Segment den Namen gar nicht mehr verdient. Prinzipiell könnte man sagen, die Bezeichnung „Untere Kompaktklasse“ passt wesentlich besser.

Es gibt ein Segment, dass wirklich Kleinwagen führt, doch dieses heißt etwas missverständlich „Minis„. Dort erwarte ich als Kunde Modelle wie den Smart, also Zweisitzer mit knapp 2,50 Meter Länge. Der befindet sich dort auch, allerdings ebenfalls der VW up!, Renault Twingo, Fiat Panda oder Chevrolet Spark. Diese Modelle würde ich persönlich eher als Kleinwagen bezeichnen als die, die aktuell vom KBA geführt werden. Hier gibt es Längen von rund um 3,5 Meter und die klassischenDer Opel Corsa A Vorzüge der Kleinwagen. Man kommt gut durch die enge Stadt, passt in kleinere Parklücken und hat meist einen geringeren Verbrauch, was für Kurzstrecken oder Stadtfahrten enorm wichtig ist.

Warum?

Hallo liebe Automobil-Hersteller, warum immer größer und schneller? Wieso nicht klein bleiben und Kunden das bieten, was gefordert ist? Ich seh‘ es schon kommen, das Mini-Segment entwickelt sich immer mehr in Richtung des aktuellen Kleinwagen-Segments und das klassische Stadtauto stirbt aus. Als Beweis dienen die Modelle Fiat Panda oder Renault Twingo, die bereits über die letzten Jahre um knapp 20 cm in der Länge gewachsen sind. Kein Wunder, denn mit Kleinwagen zum günstigen Preis lässt sich nicht so viel Geld verdienen, wie mit größeren Fahrzeugen, die am Ende auch mehr kosten.

Mein Vorschlag rund um kleine Fahrzeuge:

  • Mini-Modelle wie Smart ForTwo und mögliche neue Modelle (Zweisitzer) – Länge 2,30 bis 2,80 Meter
  • Kleinwagen wie VW up!, Fiat Panda und Renault Twingo – Länge bis maximal 3,70 Meter
  • Untere Kompaktklasse wie VW Polo, Ford Fiesta und Opel Corsa – ab einer Länge von 3,75 Meter

Der neue Opel Corsa DMein Vorschlag scheint allerdings ziemlich unrealistisch, denn entwickeln sich die beiden unteren Segmente so weiter, haben wir bald den Smart ForTwo mit einer Länge von 2,50 Metern und dann erst wieder Modelle ab 4,00 Metern. Modelle wie der Panda und Twingo entwickeln sich in diese Richtung und die aktuellen Kleinwagen werden wohl schon bald die 4-Meter-Marke durchbrechen. Somit könnte demnächst zwischen 2,50 und 4,00 Metern eine große Lücke klaffen. Aber ist das kundenfreundlich? Kunden müssen das kaufen, was es gibt und das sind zukünftig größere und teurere Modelle. Möchte man also ein kleines Auto kaufen, bekommt man keins, weil die Automobilhersteller nach und nach größere Modelle in den Markt drücken. Der Kleinwagen stirbt aus und die Hersteller zwingen den Kunden mehr Geld auszugeben. Ein schleichender Prozess, der schon einige Jahre läuft. Aufwachen Freunde!

Das China-Auto für einen Neupreis von 2.000 und 3.000 Euro ist meiner Meinung nach nicht weit entfernt. Verschlafen die aktuellen Hersteller diesen Trend, gibt es in wenigen Jahren nichts mehr zu lachen und vor allem die kleinen Segmente sind fest in chinesischer Hand. Oder was meint Ihr?

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2 Kommentare »

  • Arno Nühm sagte:

    Für mich selber ziehe ich die Grenze bei genau 4,00m. Ein Corsa D ist mit 3,99m noch ein Kleinwagen; ein Dacia Sandero mit 4,02m nicht mehr.

    Da ja auch die Kompaktklasse kräftig gewachsen ist, finde ich die aktuellen Bezeichnungen trotzdem noch passend. Mein Corsa C ist mit 3,84m vom Nutzwert und vom Innenraumgefühl auf jeden Fall noch ein Kleinwagen. Auch wenn er 20cm länger als der Corsa A ist.

    Und nur weil die Hersteller die gleichen Modellbezeichnungen verwenden, ist es ja nicht automatisch das gleiche Modell. Opel hätte den aktuellen Corsa auch „Calibra“ nennen können und den neuen „Adam“ auch als aktuellen „Corsa“ auf den Markt bringen können. Wer sich den neuen Corsa nur deshalb kauft, weil sein vorheriges Auto auch Corsa hieß, ist selber schuld, wenn er ein komplett anderes Auto bekommt.

    Wer heute einen „Kleinwagen“ nach 90er-Definition haben möchte, muss sich eben einen „Adam“, „Up“ oder „KA“ kaufen. Und er muss sich von den Namensbezeichnungen lösen.

  • Auto Freak sagte:

    Wahre Worte! Ein sehr schöner Artikel.

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