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Deutschland: 1 Mio Elektroautos bis 2020. Was geht wirklich in 10 Jahren?

2 August 2010 10 Kommentare Jana Henning

2020 ist ein magisches Jahr in der Autobranche: Anfang 2007 hat die EU hat sich verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um mindestens 20% zu reduzieren. Ein Baustein zur Erreichung des Klimaschutzziels ist die Senkung der CO2-Emission von Neuwagen. Bis 2012 soll sie von aktuell 160 g/km im Durchschnitt auf 130 g/km sinken, bis 2020 auf 95 g/km. Unter den alternativen Antrieben ist das Elektroauto der größte Hoffnungsträger. Bis 2020 sollen 1 Mio. Elektroautos in Deutschland verkauft werden, haben sich die Experten der am 3. Mai 2010 gegründeten „Nationalen Plattform Elektromobilität“ (NPE) fest vorgenommen. Ist das realistisch? Für Europas größte Automärkte insgesamt: Ja! Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg, prognostiziert bis 2015 weltweit 4,5 Mio. Neuwagen mit Elektromotor oder Hybrid-Antrieb.

Audi A1 e-tron mit 75 kW (102 PS) Leistung ab 2012 komplett ohne CO2-Emission.

Audi A1 e-tron mit 75 kW (102 PS) Leistung ab 2012 komplett ohne CO2-Emission.

Prognose: 250.000 Elektroautos bis 2020 in Deutschland
Eurotax Schwacke hat in einer Studie zur Zukunft des Autos „So werden Elektro- und alternative Antriebe Deutschland verändern“ ausgerechnet, dass der Neuwagenanteil mit alternativen Antrieben in Deutschland von 1% in 2010 (27.000 Fahrzeuge) auf 23% (671.000 Fahrzeuge) in 2020 wächst. Davon könnten zwischen 250.000 und 375.000 Neuwagen mit Elektromotor fahren. Das ehrgeizige Ziel der NPE wird nach Eurotax-Berechnungen nur erreicht, wenn man die 5 größten Automärkte Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien zusammennimmt. Unterm Strich dürften es 2020 1 bis 1,6 Mio. Elektroautos sein.

Toyota Prius, 3. Generation (3,9 l/100 km Verbrauch, 89 g/km CO2-Emission): Der Hybrid-Pionier wird im Herbst 2010 weltweit die Schwelle von 2 Millionen verkauften Neuwagen überschreiten.

Toyota Prius, 3. Generation (3,9 l/100 km Verbrauch, 89 g/km CO2-Emission): Der Hybrid-Pionier wird im Herbst 2010 weltweit die Schwelle von 2 Millionen verkauften Neuwagen überschreiten.

Aber auch nur wenn die Bedingungen stimmen. Geringe Betriebskosten und staatliche Kaufanreize über Steuervorteile oder Zuschüsse ähnlich der Abwrackprämie 2009 sind laut Studie des Center für Automobil Management (CAMA) die Top-Kaufargumente bei jungen Großstädtern unter 40 Jahre, berichtet das Blog für nachhaltige Automobile greenmotorsblog.de. Zusammen mit einer großen Reichweite und geringen Ladezeiten, einer breiten Infrastruktur für Ladestationen, umfangreichen Garantien und attraktiven Finanzierungsmodellen ist die Liste der Kaufargumente für Elektroautos und Hybridfahrzeuge komplett.

Ich habe Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), in einem Interview gefragt, was er von den Plänen der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ hält und was passieren muss, damit das Konzept aufgeht.

Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VDC)

Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VDC)

MeinAuto: Die Bundesregierung hat ein ehrgeiziges Ziel: 1 Mio. Elektroautos bis 2020 und die weltweite Marktführerschaft für Elektromobilität. Das hat sich gerade erst auch VW auf die Fahne geschrieben. Was denken Sie, ist dieses Ziel erreichbar? Und gilt die Zukunft überhaupt dem Elektroauto? Schließlich werden in 10 Jahren dann immer noch 48 Mio. Autos mit herkömmlichen Benzin- und Dieselmotoren betrieben. Sollte man nicht besser in alternative Antriebe wie Biokraftstoff, Hybrid und Autogas und CO2-reduzierende Techniken investieren?

Michael Müller-Görnert: Wir erleben gegenwärtig einen Riesen-Hype um das Elektroauto. Da ist auch viel Übertreibung dabei. Klar ist, der Verbrennungsmotor wird auch noch in den nächsten 20 Jahren dominieren. Daher müssen alle Anstrengungen unternommen werden, den Verbrennungsmotor effizienter zu machen. Elektroautos können in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten, aber nur, wenn sie wirklich mit regenerativ erzeugtem Strom fahren und wenn auch das Fahrverhalten geändert wird. Wir brauchen dann neue Mobilitätskonzepte, w es eher um die Fahrzeugnutzung in Pools oder als Car-Sharing denn um die Fahrzeughaltung geht. Einfach nur das bisherige Konzept auf Elektro umzustellen ist nicht tragfähig.

MeinAuto: Verbrauch und CO2-Emission sind 2 der Top-Kriterien beim Autokauf – auch bei den Kunden von MeinAuto.de. Das Umdenken hat begonnen. Was muss passieren, damit dem auch Taten folgen? Ist das geplante CO2-Label ein wichtiger Schritt in diese Richtung? Sind Kaufanreize wie die Abwrackprämie für Neuwagen mit geringem Verbrauch und niedriger CO2-Emission sinnvoll auf dem Weg zu einer besseren Umweltbilanz in der Autobranche?

Michael Müller-Görnert:

  • Fahrzeuge müssen sparsamer werden. Die EU-Regelung zur Verringerung der CO2-Emissionen ist hierfür ein unverzichtbares Instrument. Es fordert die Autoindustrie, die bisher immer wieder erfolgreich entsprechende Regelungen verhindert hat. Aber die Grenzwerte müssen ambitioniert fortgeschrieben werden.
  • Vebraucherinformation ist sehr wichtig. Diese muss aber auch wirklich ökologische Kriterien beinhalten und entsprechend ausgerichtet sein. Wenn aber das Signal kommt, dass ein Geländewagen ein besseres Label bekommt, als ein sparsamer Kleinwagen, dann ist dies kontraproduktiv.
    Der VCD gibt Verbrauchern mit seiner jährlich erscheinenden Auto-Umweltliste einen Überblick, welches Auto aus Umweltsicht zu empfehlen ist. Dabei werden neben CO2 auch Luftschadstoffe und Lärm berücksichtigt.
  • Die neue Kfz-Steuer sollte eigentlich einen Anreiz für sparsame Fahrzeuge mit niedrigem CO2-Ausstoß geben. Allerdings ist sie nur halbherzig umgesetzt. Die Spreizung muss größer sein und wirklich einen Anreiz geben.
  • Die Abwrackprämie in Deutschland war lediglich ein Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Während Länder wie Frankreich die Höhe der Prämie an den CO2-Ausstoß gekoppelt haben, gab es in Deutschland keinerlei ökologische Kriterien. Um effiziente Fahrzeuge zu fördern sind Bonus-Malussysteme z.B. bei der Besteuerung der bessere Ansatz.

Morgen gibt es hier Teil 2 des Interviews mit dem Schwerpunkt „Umwelt-Label für Neuwagen – CO2-Emission und Verbrauch vor dem Autokauf vergleichen“.

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10 Kommentare »

  • Der Neuwagen Blog sagte:

    Klima-Skala für Neuwagen kommt frühestens Ende 2010…

    Am 3. Mai 2010 wurde die “Nationale Plattform Elektromobilität” (NPE) mit Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen. Und gleichzeitig wurden die Eckdaten für ein einheitliches Pkw CO2-Label, eine farbliche Klima-S…

  • KlimaSchützer sagte:

    Stimmt (vielleicht) nicht ganz: Die EU denkt über 30% nach:
    http://www.tagesschau.de/inland/klimaschutz148.html
    Gut so!

  • Der Neuwagen Blog sagte:

    Die Top 10 der umweltfreundlichsten Autos 2010…

    Mit dem kompakten Auris Hybrid, der Mittelklasse-Limousine Prius Hybrid und dem Kleinwagen iQ baut Toyota die 3 umweltfreundlichsten Autos 2010/2011.  Toyota belegt damit Platz 1 beim Umweltengagement der Autoherstellern, gefolgt von VW und Daimler/sma…

  • Fischbulletten » Höher, schneller, weiter sagte:

    […] vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein neues Elektroauto präsentiert wird. Wirklich kaufen kann man nur wenige davon und Leistung wie Reichweiten sorgen […]

  • Racketsport-Experte sagte:

    Ich denke langfristig werden sich Elektrowagen durchsetzen. Die Forschung ist sehr wichtig und er Fortschritt kommt nur durch Forschung. Zwar sind Elektroautos noch nicht wirklich kompatibel für Vielfahrer wie mich, aber selbstverständlich wird das Öl ausgehen und alternativen sind deswegen zwingend notwendig!

  • Hajo sagte:

    Es geht ums Versorgungsnetz. Nicht alle hauben eigene Wohnhäuser und Saft in der Garage. So soll ich ein Elektroauto aufladen, wenn ich im 4.OG eines MFH wohne?

  • Tennisshop sagte:

    Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis Elektroautos für viele Autokäufer zum ernsthafteren Thema werden. Laut neuesten Schätzungen, werden Akkus für Elektro-Autos erst im Jahre 2020 so günstig sein, dass sie auch ökonomisch eine gute Alternative sind.

  • Tennisspieler sagte:

    Ich denke, dass die Autoindustie diese innovation schon viel früher hatte produzieren können. Die Technologien sind seid 20 Jahren bekannt.

    Leider ist das Geschäft mit Benzin immer noch zu interessant…

    Wir werden sehen was die Zukunft bringen. Am besten wir fahren nicht mehr sonder traiben dafür mehr sport wie Tennis. Sollen Sie eine Tennisspieler sein, dann schauen Sie doch mal im Tennisshop tennisworld vorbei.

    Wir werden das weiter verfolgen und hoffen das die Zukunft Umweltfreundlichere Auto verspricht…

  • koffeintabletten sagte:

    Ich denke auch, dass das Jahr 2020 ein magisches und zudem sehr wichtiges Jahr für die Autobranche sein wird. Jedoch müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Time will tell!

  • Tennisschuhe sagte:

    Ich werde mir auch ein Elektroauto dieses Jahr kaufen. Hoffentlich ist die Technik schon so weit entwickelt, dass die Investion nicht ein Griff ins Klo ist! :->

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