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Klima-Skala für Neuwagen kommt frühestens Ende 2010. Ein Modell in der Kritik.

4 August 2010 2 Kommentare Jana Henning

Am 3. Mai 2010 wurde die „Nationale Plattform Elektromobilität“ (NPE) mit Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen. Und gleichzeitig wurden die Eckdaten für ein einheitliches Pkw CO2-Label, eine farbliche Klima-Skala für Neuwagen ähnlich der von Elektrogeräten bekannten Effizienzskala, veröffentlicht. Die Klima-Skala ist in die 7 Energie-Effizienzstufen „A“ (= sehr sparsam) bis „G“ (= wenig sparsam) unterteilt. Sie soll den Autokäufern bei der Entscheidung für ein umweltfreundliches Auto helfen und die Autohersteller antreiben, die CO2-Emission ihrer Neuwagen zu reduzieren. Klingt vernünftig und gut für beide Seiten, wenn da nicht die Kritik im Raum stehen würde, dass besonders große und schwere Autos mit über 200 g/km CO2-Emission besser abschneiden als sparsame Kleinwagen mit einer CO2-Emission unter 100 g/km. Warum das so ist und wie eine alternative Klima-Skala für Neuwagen aussehen könnte, hat uns Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), erklärt. Hier Teil 2 des angekündigten Interviews, Teil 1 zum Thema „1 Mio Elektroautos bis 2010. Was geht wirklich in 10 Jahren“ erschien am 02.08.2010.

Skala Energieverbrauch für Elektrogeräge: Vorlage für Neuwagen Klima-Skala

Skala Energieverbrauch für Elektrogeräge: Vorlage für Neuwagen Klima-Skala. Bildnachweis: ©Haushaltsgeld.net / Pixelio.de

MeinAuto: Warum wird das geplante CO2-Label für Autos vom VCD und anderen Umweltverbänden so scharf kritisiert?

Michael Müller-Görnert: Der VCD Kritisiert insbesondere die vorgesehene Referenzkurve zur Einteilung der Fahrzeuge in die jeweiligen Effizienzklassen „A“ bis „G“. Diese basiert auf dem Gewicht der deutschen Neuzulassungen des Jahres 2008. Die Kurve bevorzugt Fahrzeuge, die zu groß, zu schwer und stark motorisiert sind – also das Angebot an Neuwagen, das zurzeit vor allem von deutschen Premiumherstellern beworben wird. Beste Beispiele: Der Audi Q 7 und Porsche Cayenne Hybrid mit einem CO2-Ausstoß von 195 bzw. 193 g/km bekämen nach dem BMWi-Vorschlag ein „B“, während Kleinwagen wie die baugleichen Citroen C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo, die nur 106 g/km ausstoßen, lediglich mit „D“ eingestuft würden. Dies zeigt, dass der jetzige Vorschlag deutlich die Handschrift der deutschen Autoindustrie und nicht die des Klimaschutzes trägt. Weil dieser Vorschlag nicht hinreichend auf zukunftsfähigen Klimaschutz und eine Ausweitung des Angebots an verbrauchsärmeren Fahrzeugen abzielt, lehnen wir ihn in seiner jetzigen Fassung ab.

MeinAuto: Wo genau liegen die Unterschiede zwischen der Klima-Skala für Neuwagen nach Modell der Bundesregierung und nach Modell des VCD?

Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VDC)

Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VDC)

Michael Müller-Görnert: Anders als in dem Modell der Bundesregierung steht beim VCD-Modell der Klimaschutz im Vordergrund. D. h.: Keine Bevorteilung schwerer Fahrzeuge mit hohem Verbrauch. Denn es kann nicht sein, dass sich die Einteilung der Effizienzklassen an großen und schweren Prestigemodellen orientiert, die seitens der Hersteller ebenfalls mit einem Ökolabel – wie z.B. BlueEfficiency, BlueMotion oder Efficient Dynamics – versehen sind. Pkw, die mehr als das Doppelte eines Fahrzeugs mit sehr geringen CO2-Emissionen (unter 100 g/km) ausstoßen, können kein grünes Label erhalten. Dies wird in dem Modell der Umweltverbände berücksichtigt. Entsprechend können Fahrzeuge, die mehr als 100 Gramm CO2/km ausstoßen, kein „A“ erhalten, bei mehr als 130 Gramm kein „B“ und bei mehr als 160 Gramm kein „C“.

Anders als im BMWi-Vorschlag ist als Referenzgerade nicht die deutsche Neuwagenflotte des Jahres 2008 hinterlegt, sondern die Grenzwertkurve der EU für den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 130 g/km für die Neuzulassungen 2012, wie sie in der EU-Verordnung 443/2009 zur „Festsetzung von Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen im Rahmen des Gesamtkonzepts der Gemeinschaft zur Verringerung der CO2-Emissionen von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen“ vom 23. April 2009 festgelegt ist.

Beim Modell des BMWi ist keine Dynamisierung vorgesehen. Um auch künftig Anreize zur Verringerung des Verbrauchs zu setzen und der Marktentwicklung Rechnung zu tragen, ist es unbedingt notwendig, die Klasseneinteilung zu dynamisieren. Andernfalls müsste man – wie bei den Elektrogroßgeräten bereits geschehen – die Stufe A um A+, A++ und A+++ erweitern, da sonst überwiegend Modelle mit einem A gekennzeichnet wären. Dies aber würde – wie beim Kühlschranklabel – bei Verbrauchern Verwirrung stiften, da diese schon ein A als positive Klassifizierung empfinden. Daher wird vorgeschlagen, spätestens alle 3 Jahre die Anforderungen zur Klasseneinteilung um 10 Prozent zu verschärfen. Fahrzeuge würden nach heutigem Stand in die nächst schlechtere Effizienzklasse eingestuft.

Vergleich Klima-Skala / CO2- Label für Neuwagen nach Modell der Bundesregierung und des VCD

Neuwagen Modell Gewicht (kg) CO2-Emission (g/km) BMWi CO2-Label VCD CO2-Label
Audi Q7 3.0 TDI 2.410 195 B E
Audi A1 1.4 TFSI 1.200 119 C D
BMW 318d 1.490 119 A C
BMW X6 xDrive30d 2.150 195 C F
VW Touran 1.4 TSI EcoFuel (DSG) 1.700 126 A C
VW Polo 1.2 TDI BlueMotion 1.150 87 A+ (?) A
VW Golf 1.6 TDI BlueMotion 1.314 99 A B
Opel Zafira 1.7 CDTI ecoFLEX 1.505 139 B D
smart cdi 770 86 C B
Porsche Cayenne S Hybrid 2.315 193 B E

MeinAuto: Der EU-Beschluss zur Kennzeichnung des Verbrauchs und der CO2-Emission bei Neuwagen wurde schon 1999 gefasst. Seit Ende 2004 sind Autohersteller in Deutschland verpflichtet, den Verbrauch (in l/100 km) und die CO2-Emission (in g/km) ihrer Neuwagen in absoluten Zahlen anzugeben. Einige unserer EU-Nachbarn wie Holland, Großbritannien und Portugal haben das farbliche CO2-Label schon eingeführt. Jetzt soll es auch in Deutschland kommen. Wann? Warum hat das so lange gedauert? Und wieso gibt es keine EU-einheitliche Klima-Skala?

Michael Müller-Görnert: Die EU-Richtlinie beinhaltet EU-weite Vorgaben, wie die Informationen zum Kraftstoffverbrauch und dem CO2-Ausstoß von Neuwagen in der Werbung sowie in Autohäusern am Fahrzeug aussehen müssen. Diese Richtlinie wurde in Deutschland erst mit mehrjähriger Verzögerung umgesetzt. Zugleich wurden lediglich die Mindestanforderungen übernommen. Während einige EU-Staaten wie z. B. Großbritannien, die Niederlande, Österreich oder Portugal eine farbliche Kennzeichnung oder Effizienzklassen analog zum „Kühlschranklabel“ eingeführt haben, müssen die Verbrauchs- und CO2-Daten in Deutschland lediglich als Zahlenwerte angegeben werden. Dies gibt Verbrauchern wenig Aufschluss darüber, wie effizient ein bestimmtes Fahrzeugmodell ist.

Umwelt-Label / Klima-Skala für Neuwagen in Grossbritannien

Klima-Skala mit CO2-Emission und Verbrauch für Neuwagen in Großbritannien. Quelle: Low Carbon Vehicle Partnership (LowCVP)

Bereits 2007 gab es einen Entwurf der Bundesregierung, die Verbrauchskennzeichnung entsprechend zu novellieren. Auf Druck der Autoindustrie wurde dieser Entwurf wieder zurückgezogen. Der jetzige Entwurf ist – wie bereits zuvor erwähnt – ein Kompromissvorschlag, der mit Autoindustrie abgestimmt wurde.

Zum Zeitplan: In den nächsten Wochen soll es eine Anhörung geben, zu der auch der VCD eine Stellungnahme abgeben wird. Danach muss der Verordnungsentwurf bei der EU geprüft werden. Wir gehen davon aus, dass das CO2-Label wenn, dann nicht vor Ende des Jahres kommt.

Zur EU-Regelung: Eine Novellierung ist längst überfällig, wurde aber von der EU-Kommission immer wieder verschoben. Die neue EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard, hat aber angekündigt, noch dieses Jahr einen Entwurf vorzulegen. Allerdings ist es fraglich, ob es dann zu einer EU-Weiten einheitlichen Kennzeichnung kommt. Denn die bisherigen Systeme sind recht unterschiedlich und werden teilweise als Basis für die Kfz-.Steuer herangezogen. Diese Länder werden keine Veränderung wollen.

Neue VCD Liste der umweltfreundlichsten Autos in Deutschland

Wir bleiben dran am Thema Klima-Skala für Neuwagen und bedanken uns bei Michael Müller-Görnert für das Interview. Übrigens: Am 18.08.2010 erscheint die neue Auto-Umweltliste des VCD. Der Verkehrsclub untersucht seit 1989 den Verbrauch, die CO2-Emission, den verursachten Lärm sowie Menge und Art der Auspuff-Schadstoffe von rund 300 Autos. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Liste der umweltfreundlichsten Autos in Deutschland.

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2 Kommentare »

  • Burghard Schmanck sagte:

    Leider ist die PKW-Bewertungsgrundlage gegenstandslos,weil die Hypothese vom angeblichen Treibhausgas CO2 physikalisch gar nicht existiert. Der Knackpunkt ist nämlich, daß die postulierte Allursächlichkeit des anthropogenen CO2 für jegliche globale Erwärmung physikalisch längst widerlegt wurde, nachzulesen bei http://www.schmanck.de/0707.1161v4.pdf, bisher global unwiderlegt. Auch die Kanzlerin weigerte sich, diese Ursächlichkeit auf Befragen der BamS-Redaktion zu bestätigen, siehe http://www.schmanck.de/Statementco2.htm. Sie ist immerhin Dr. rer. nat. und Dipl.-Phys. (DDR)
    Gemessen wird diese globale Erwärmung schon lange nicht mehr, weil es meßbar global kälter wird.
    Damit ist die Besteuerungsgrundlage Für PKW hinfällig und somit rechtlich äußerst angreifbar.

  • Der Neuwagen Blog sagte:

    Die Top 10 der umweltfreundlichsten Autos 2010…

    Mit dem kompakten Auris Hybrid, der Mittelklasse-Limousine Prius Hybrid und dem Kleinwagen iQ baut Toyota die 3 umweltfreundlichsten Autos 2010/2011.  Toyota belegt damit Platz 1 beim Umweltengagement der Autoherstellern, gefolgt von VW und Daimler/sma…

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